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Selbstzweifel des Gänseblümchens auf der Lichtung

„Bis später“, meine Tochter stieg aus dem Auto. Ihre Laune war auf dem Tiefpunkt. Ihr Praktikum, welches sie als Sozialarbeiter in einem Internat absolviert, erdrückt sie an Stunden. Morgens verlässt sie das Haus und abends, manchmal auch spät in der Nacht, hole ich sie ab. Ihr Engagement beim Studium beeindrucken mich sehr. Die Begeisterung zum lernen war nicht immer so.

Vor vier Monaten, verabschiedeten wir uns noch kurz als sie das erste mal die Treppen der Hochschule betrat. Ich schaute ihr noch nach, kurz darauf brachte ich diese Zeilen zu Papier:

„Dieser Moment wenn man seine Tochter zur Fachhochschule bringt, sie mit einem angespannten Gesichtsausdruck "bis später" stammelt.

Du ihr noch einen Moment hinterher siehst und merkst das eine junge Frau die Treppen hochgeht, voller Zuversicht in eine eigene Zukunft.

Innerhalb von Sekunden die du ihr noch hinterher siehst, wird dir klar.

Das sie keine Zöpfe mehr hat,

ihr Gang nicht mehr hopsend ist,

sie kein Teletubbies T-shirt trägt,

keinen Turnbeutel auf dem Boden hinterher zieht

und sie sich nicht noch vier Mal grinsend umdrehen wird um zu winken.

In diesem Moment verabschiedest du dich von dem kleinen Mädchen.

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Und siehst voller Stolz die Frau, die du selbst immer sein wolltest.“

Wir hatten es nie einfach, wir bezahlten unser jetziges Leben mit Verzicht, verlorene gemeinsame Zeit und harter Arbeit. Allerdings hat genau diese harte Zeit uns zusammen geschweißt. Schon länger führen wir eine so innige Mutter-Tochter-Beziehung, da werden sogar die Gilmore Girls blass.

Meine Tochter war nie ein Einser Schüler. Das war unter anderem ein Preis den wir zahlten, da ich einfach zwischen meinen zwei Vollzeit Jobs zu wenig Zeit hatte um mich dort mehr einzubringen. In der Woche arbeitete ich, in der Firma wo ich heute noch beschäftigt bin, im Versand. Und am Wochenende kellnerte ich in einer Gaststätte zusätzlich noch 24h. Den Sonntag, wenn ich morgens aus erst vom Kellnern kam, schlief ich fast durch. Da ich Montags schon recht früh wieder arbeiten musste.

Ich bekam einfach zu wenig mit von ihrem Leben. Das Gymnasium verließ sie nach der sechsten Klasse, und wechselte auf die Realschule. Erst viel später Begriff ich ihren Hilferuf, zwei Jahre Ausgrenzung und Mobbing machten ihr junges Leben als Gymnasiasten zu schaffen. Immer wieder in ihrer Pubertät spürte ich deutlich die Auswirkungen, die dieses Martyrium hinter sich zog. Ständig fühlte sie sich ausgeschlossen, gab sich und ihren Leben einen unteren Stellenwert. Fühlte sich den sozialen Leben nicht gewachsen.

Mittlerweile darf ich mit Stolz berichten, das sie diese negative Erfahrung, mit unzähligen positiven überdecken kann.

Der Wendepunkt kam es auf einer Klassenfahrt der Realschule. Eine Woche München, welcher sie sich schon mit Grauen entgegen sträubte. Immer wieder bekundete sie dass sie nicht mit dahin wollte. Die Mädchen in ihrer Klasse, entwickelten sich anders als sie. Heute weiß sie das es absolut unwichtig ist, welche Musik man hört, ob man keinen Handtaschen und Schuh Tick entwickelt, das es nicht wichtig ist wenn man sich nicht in der achten Klasse auf Highheels bewegte, oder nur mit teuren Markenparfüm akzeptiert wird. Zudem Zeitraum wollte sie allerdings Gleich sein, gleich wie die anderen Mädchen. Dabei, war sie immer schon so wie sie ist, einfach Perfekt.

„Es ist schlimmer wie erwartet“, sagte sie niedergeschlagen am Telefon, am zweiten Tag des Aufenthaltes in München „die anderen schließen mich aus, nur weil ich anders bin“.

„Alle?“ fragte ich besorgt. „Ja alle! Und ich kann auch sowieso nicht bei den Themen mitreden, welche die haben. Handtaschen sind einfach nicht meines. Ach Mutti, ich will einfach nur nach Hause. Ich wünschte ich wäre auch nur ein bisschen so wie die anderen, dann wäre alles einfacher.“. Jeder der Kinder hat weiß wie schwer es einen in dem Moment fällt, nicht in Arm nehmen zu können, sondern nur mit Worte trösten zu müssen.

„Nein!“ sagte ich bestimmend, „du bleibst mal schön so wie du bist, mit wem kommst du einigermaßen dort klar?“. Am Ende des Hörers wurde es stiller, sie überlegte. Dann kam „eigentlich nur mit den Jungs, die Mädchen meiden mich. Egal was ich mache, alles ist falsch.“. Triumphierend entgegnete ich ihr: „Da haben wir es doch. Dann schließe dich einfach den Jungs an, das ist doch sowieso viel cooler, als über Handtaschen zu diskutieren.“ Erst unsicher, ob das eine Gute Idee sei, willigte sie anschließend ein „ok, ich versuche es, danke das du für mich immer da bist. Ich liebe dich Mama. Bis bald.“. Damit endete unser Telefonat.

Und heute müssen wir beide einräumen, es war die beste Idee die wir hatten.

Am nächsten Tag kam kein Anruf von ihr. Als am übernächsten Tag auch keiner kam, rief ich abends in der Herberge an, um sie zu erreichen. Als ich sie an der Strippe hatte, hörte ich die Euphorie im ihrer Stimme. Auf einmal war alles so perfekt. Sie ratterte schnell noch die besten Ereignisse runter um mich dann am Telefon abzuwürgen. Sie legte auf, erstaunt sah ich den Hörer an, ich war sprachlos. Ja mir stockte quasi der Atem. Den ich mit lachenden Geräusch heraus pustet. „Was war DAS denn?“ stellte ich mir verblüfft die Frage.

Noch heute (sie ist mittlerweile 20 Jahre alt) , wo alle mittlerweile sich in der einen oder andere Partnerschaft befunden hatten, hat sie regelmäßig Kontakt zu ihren Jungs. Es wurde eine Freundschaft fürs Leben. Sie und die 5 Jungs.

Ich rate allen Eltern unter euch, beschwichtigt keine Selbstzweifel eurer Kinder, sondern bietet ihnen neue Richtungen mit Entwicklungsmöglichkeiten.

Das Ende eines Weges, bedeutet immer, dass ein viel passenderer und besserer Weg auf jeden wartet.

7.2.16 10:32

bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Victoria / Website (7.2.16 15:53)
Sehr schön geschrieben, mach weiter so 👍😊


Victoria / Website (21.2.16 13:27)
Sehr schön geschrieben, du solltest ein Buch schreiben. Du hast wirklich Talent 👍😊
LG Victoria

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