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"Der Weg ins Licht," oder "Wie mein kleiner Engel mir erschien"

„Mama, ich bin auch noch da!“ mein kleines Mädchen Griff nach meiner Hand. Wir standen im Regen, ohne Schirm. Wie erstarrt schaute ich auf sein Grab. Wie jeden Tag seit er nun hier lag, verbrachte ich Stunden, in Gesprächen mit ihm. Setzte mich meist im Schneidersitz auf die Platten welche die Gräber abteilten. Schon längst lebte ich in einer dunklen Welt, in der es nur mich gab. Allein. In einem tiefen Loch, das nach feuchter Erde roch. Und ich nicht entfliehen konnte.

Ich hörte diese Stimme meiner Tochter, unserer Tochter, ein achtjähriges Mädchen mit langen blonden Haaren und dunklen Augen, diese Stimme war einfach zu weit weg. Ich vernahm ihre Worte wie ein Echo. Was sagte sie gerade? Ich versuchte genauer hin zu hören. „Mama ich bin auch noch da!“. Wie ein Schlag, katapultiert mich dieser Satz aus der Dunkelheit, als sei ich die ganze Zeit nicht da gewesen. Ich fühlte ihre kleine Hand in meiner, wie sie mich drückte.

Ich wendete den Blick, von dem mit schon verwelkten Kränzen, auf sie. Wo war ich? Dieses Kind braucht mich, dieses Kind trauert genauso. Und trotzdem war sie stärker wie ich. Dieses kleine Wesen braucht Schutz.

An diesem Tag, wachte ich auf aus dieser bleiernden Traurigkeit. Und ja, sie hat mir das Leben gerettet. Ich fing an, abzuschließen mit ihm, dachte ich. Heute, 12 Jahre später, hab ich erkannt das man dieses Wort abschließen nicht benutzen sollte. Denn alles was man weg schließt, ist dennoch noch da. Ich hab ihn sieben Jahre gedanklich weg geschlossen. Schon längst gelernt meine Erlebnisse wie ein gesehenen Film zu erzählen. Wenn mal wieder ein neuer Mensch zu meinen Freundeskreis dazu kam. Eine emotionslose Erwähnung von Fakten. Nur manchmal, bei Rückfragen verfiel ich in Details, die mir meine Kraft raubten.

„Wie sag ich nur, dass ihr Papa tot ist?“ schluchzte ich. Ich saß mit Pyjama auf meinem Sofa. Um mich waren all meine Freunde. Meine Tochter schlief noch. Die Kriminalpolizei war schon weg, und noch so nett gewesen, eine Freundin zu informieren. Sie kamen zu dritt, und versuchten einfach nur da zu sein. Ich war so leer, so haltlos, wie ein Traum der nicht endlich zu ende ging. Immer wieder schrie ich ins Kissen. Immer wieder, sagte ich das ist nicht wahr, das kann nicht wahr sein.

Die Polizei hatte mir gesagt, das er sich das Leben genommen hatte, das jemand der vorbei kam ihn gefunden hat kurz danach. Ich glaubte noch es sei eine Verwechslung. Vor mir auf den Tisch legte man sein Handy und seine Geldbörse, welche ich ihn zu seinem letzten Geburtstag geschenkt hatte.

Woher kommen die an die Sachen? An seine Sachen? Das kann nicht sein, ich hab mit ihm noch heute Nachmittag gesprochen. Mein Kopf schaltete um auf Realitätsmodus.

„Oh nein!“ kam heraus, ich Griff nach dem Kissen um dort hinein zu schreien. Auf einmal rief mich meine Tochter. Ich ließ die Polizei im Wohnzimmer sitzen und wischte mir schnell die Tränen weg um zu ihr zu gehen. Mit verschlafener Stimme fragte sie: „Mama, was ist los, wer ist da im Wohnzimmer?“. Ich log sie an, während ich sie in ihre Decke ein mummelte. „Ach Mama ging es gerade nicht so gut, das ist der Arzt der mir gerade Medikamente gebracht hat. Jetzt geht es mir schon besser.“ Ich drückte ihr einen Kuss auf die Stirn und ging zurück ins Wohnzimmer. Als es morgens wurde und meine Freunde langsam aufbrechen mussten,Nach und nach verließ einer nach den anderen meine Wohnung, wurde meine Tochter wach.

Sie kam vorsichtig ins Wohnzimmer. Die ganze Nacht wusste ich nicht wie ich es ihr sagen sollte, wie oft brach der Satz aus mir „oh Gott, hilf mir bitte!“. Gott schwieg. Aber genau das wusste ich zu verstehen.

„Mama? Irgendwas stimmt nicht hier“ sagte meine Tochter, sie stand noch in der Tür. „ist was passiert?“ fragte sie weiter. „komm mal zu mir auf den Schoß“ sagte ich leise, während ich auf meine Knie tippte. Ich umschloss sie, mit beiden Armen. „Mama, ist was passiert?“ fragte sie erneut ängstlich. Und wenn ich Gott vielleicht nie gedankt hab, dann tue ich es jetzt. Denn er war da für mich und mein Kind.

„Lass mich eine Geschichte erzählen“ sagte ich zu ihr, „du weißt doch Papa hatte immer Schmerzen“. Die letzten zwei Jahre seiner Medikamenten Abhängigkeit, hab ich ihr damit zu der Zeit immer so erklären können. Meine Tochter nickte, „ist was mit Papa?“ fragte sie beunruhigt. „schhhhhhh“ sagte ich „nun Papa hatte ja immer Schmerzen, und nun stell dir mal vor, er hat den lieben Gott getroffen“. Ihre Augen wurden groß „wo hat er den lieben Gott getroffen? Auf der Straße?“ fragte sie. Ich erzählte weiter, „Nein, er war einfach da, und dann hat er Papa eine Frage gestellt. Er fragte: Was würdest du machen wenn ich dir all die Schmerzen nehmen kann, wenn du mit mir gehst?“. Meine Tochter erschreckte „Oh nein, was hat Papa da gemacht, ist er mit gegangen?“. Ich strich ihr über ihren Kopf „Nein, das konnte Papa nicht, er hat zu dem lieben Gott gesagt, das er dich doch hier hat. Und das er auf dich aufpassen muss.“. Sie atmete leicht auf. Ich fuhr fort:, „aber dann hat der Liebe Gott, Papa nochmal gefragt: Wenn ich dir verspreche, das du immer bei deiner Tochter sein wirst und ich dir zusätzlich noch deine Schmerzen nehme, kommst du dann mit mir?“

Stille. Meine Tochter blickte mich an, in ihren Augen stiegen die Tränen. Mit weinerlicher Stimme und die Antwort erahnend, fragte sie: „was hat Papa dann gesagt?“

Ich fing an zu weinen. So wie jetzt gerade auch beim schreiben dieser Zeilen. Ich sagte nur noch:, „was sollte Papa darauf sagen? Jetzt hat er keine schmerzen mehr.“

Ich danke Gott, das er mir an den schlimmsten Tag meines Lebens bei gestanden hat.

6.12.15 10:23

Letzte Einträge: Selbstzweifel des Gänseblümchens auf der Lichtung

bisher 3 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Victoria / Website (5.2.16 23:43)
Das hast du wunderschön geschrieben ich bin zu Tränen gerührt 😢. Mach weiter so 👍😊


Pascale / Website (6.2.16 11:20)
Ein sehr bewegender Text. LG


JamyFlowers (6.2.16 19:45)
Danke Euch. So schlimm wie diese Situation war, hatte alles einen Sinn gehabt. Lieben Gruß

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