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Lebenslicht der Schattenspiele

Ich möchte euch von Facetten meines Lebens berichten. Vom tragen des Schicksals, und von der Kraft die man gewinnt.

"Mutti schreib einen Blog" sagte meine Tochter zu mir, auf mein verdutztes Gesicht antwortet sie nur mit "Das von dir erlebte kann sicher auch anderen helfen".

So und nun befinde ich mich hier mit den ersten Zeilen meines Lebens und hoffe ich erwecke bei euch Lesern Aufmerksamkeit, Empathie und Hoffnung.

Ich fange an in den schönen 90er Jahren, die noch keine Lebensrichtung in sich trugen, Deutschland wieder vereint und Euro-Pop Songs belegten die Charts.In einem Jugendcamp lernte ich ihn 1988 kennen, damals war ich 12 Jahre alt, er bereits schon 13. Auf unzähligen Geburtstagsfeiern trafen wir uns wieder. Und so legte ich mich fest, er soll es sein. Braune Haare, grün braune Augen und eine unwahrscheinliche Ähnlichkeit mit den damaligen Schauspieler aus Karate Kid.

Ich komme aus einem Elternhaus in dem nicht alles stimmte, wie so viele Eltern in den 80/90er gab es die schöne Seite nach aussen, und die ganz andere Welt hinter den Kulissen.

Mein Stiefvater hasste mich, Schläge, Strafen und sogar Missbrauch waren mein Alltag. Meine Mutter konnte sich bei ihm nicht durchsetzen, also war ich, (ein kleines zierliches stilles Mädchen mit großen braunen Augen und braune Haaren) der tagtägliche Sündenbock, um Aggressionen abzubauen.

"Mich machst du nicht kaputt" war mein tägliches Credo "sobald ich kann bin ich weg".

Ich glaube aus der heutigen Sichtweise, dass ich deswegen Andrė (so hieß dieser Junge) zum Helden auserkoren hab. Mädchen in diesem Alter suchen ja regelrecht, nach den Ritter der sie aus der Drachenhöhle befreit.

Gesundheitlich war ich auch sehr angeschlagen, bei mir stellte man eine Erkrankung mit 16 fest die mir noch zwei Jahre maximal zum Leben haben. Es war ein Gendefekt was sich später herausstellte. Nun folgten 2 Jahre Uniklinik Aufenthalte. Mit Ende meines 17. Lebensjahres erfolgte eine Amputation des linken Lungenflügels. Danach ging es mir zunehmend besser.

Noch immer beobachtete ich das Leben des mitlerweile jungen Mannes mit Herzklopfen.Das kleine schüchterne Mädchen, was eher am Rande wahrzunehmen war, versuchte nun ihrer Zukunft den Weg zu bereiten.

Längst war es kein Geheimnis mehr das ich starke Gefühle für ihn hatte. Mir jedes Mal das Herz blutete wenn er schon mal wieder eine neue Freundin hatte.

Als ich das Krankenhaus hinter mir lassen konnte, und wir endlich zueinander gefunden haben, bin ich recht schnell schwanger geworden. Erst war es für uns beide eine Situation der wir uns nicht stellen konnten, er beendete unsere Beziehung.

Dann öffneten sich für mich neue Türen, ich bekam eine eigene Wohnung und konnte mich, nach durchweinten Nächten voller Zukunftsangst, auf mein ungeborenenes Baby einstellen.

Als ich kurz vor der Geburt stand, kam er mit Blumen und auf Knien zu mir, um für uns da zu sein. Er änderte sich, trug Verantwortung und ging Wege die eine Grundlage schafften für unsere kleine Familie. Als ich wenig später auch eine Ausbildung beginnen konnte schien unser geplanter Weg ins Glück zu führen.

Manches Mal erwischte ich mich mit Herzrasen am Fenster, wenn er mit dem Auto vorfuhr als er von der Arbeit kam. Ich hätte niemals diese heile Welt eintauschen wollen. Alles war perfekt. Unser Glück hielt sieben Jahre an, dann folgten Jahre , die mein lächeln beim schreiben verdüstern lassen.

Er war nicht der Typ mit einem großen Freundeskreis, hatte meist ein oder zwei Kumpel um sich. Er fing an mit einer Familie Kontakt auszubauen, die uns beiden absolut nicht gut tat. Für mich war es vom Bauchgefühl, ein falscher Weg. Ständig wilde Partys, Leute die keinen Leitfaden im Leben hatten. Noch heute werfe ich mir vor, gegen diesen Kontakt nicht stärker gewettert zu haben.Ich mied diese Leute. Unsere Tochter sollte in geordneten Verhältnissen groß werden.

Die Zeit die er dort verbrachte wurde immer mehr und mehr. Schon längst hatten wir tägliche Debatten darüber.

Nach einiger Zeit kam er mal nachmittags total wirr nach hause, nach einen einstündigen Besuch dort. Ich wusste nicht was mit ihm war, es kamen Sätze von ihm die keinen Sinn ergaben.

Als ich diese hinterfragte wurde er sogar zornig, weil für ihn ein Satz wie : ich muss nach Pio an den Computer, weil sonst die Panelen krum werden, das hat der Arzt auch bestätigt." es gab weder einen Pio noch war irgendwas mit Panelen geplant, und das mit dem Arzt ist auch aus so einer Fantasie Welt.

Ergo Griff ich zum Hörer und rief den "Freund" an, fragte: "was habt ihr mit ihm gemacht, er war nur eine Stunde bei euch und ist komplett neben der Spur!" Es kam sowas wie, "Er hat nur ein Bier hier getrunken. Können wir uns auch nicht erklären ...".

Was folgte waren: wirre Abende, wirre Tage usw. ich wusste nicht was ich noch machen sollte. Ich wusste hier ist was faul, konnte aber es mir nicht erklären.

Zwei Wochen später machte ich Grossputz in unserer Wohnung. Als ich die Schränke ab putzte fielen mir Medikamente in die Hände. Ich nahm sie verwundert, und legte sie in den Medikamenten Schrank. Dann fing ich an das Sofa ab zu rücken um zu wischen. Auch hier fand ich leere Tablettenverpackungen. Als ich später die Betten bezog, und auch zwischen Matratze und Lattenrost geklemmt Tablettenverpackungen fand, läuteten bei mir Alarmglocken. Natürlich spielte er es runter als ich ihn ansprach. Aber bei den Tabletten handelte es sich um Diazepan und andere Schmerzstiller, sowie Muskelrelaxent Tabletten. Ich fand auch Tropfen wie Tramal und Tilidin Fläschchenweise.

Andrė hatte im Sommer zuvor einen Autounfall gehabt, der zweite in seinen Leben. Beim ersten wurde ihm eine Platte in den Nacken geschraubt, sonst wäre er Querschnittsgelähmt gewesen. Der zweite Unfall war allerdings nicht so schlimm gewesen. Dennoch erfuhren wir viel später die Hintergründe seiner Abhängigkeit, eine Schraube hatte sich auf sein zentrales Nervensystem gedrückt, daher hatte er von Zeit zu Zeit starke Schmerzen.

Sein sogenannter Freund litt seit einiger Zeit an einem Hüftschaden, dieser bekam starke Schmerzmittel verschrieben. Da erübrigte sich die Frage wie er an diese Hammer Medikamente dran kam. Wer jetzt eins und eins zusammen zählen kann weiß nun warum er immer dort war. Der Freund machte Partys mit seinen Medis, nachgespült wurde mit Alkohol. Ein gemeinsamer Freund, der einmal auch mit dort war, vertraute mir diesen Medikamentenmissbrauch Jahre später mal an.

Auf zwei Jahre Hölle blickte ich nun zurück, mit einen Zombie als Partner. Es ging immer mehr bergab mit ihm, ich vertraute mich niemanden an, aus Angst das die Leute anfangen zu reden, ging meiner Arbeit nach, versuchte durch massig Stunden, uns drei über Wasser zu halten. Wenn ich nach hause kam, vorher noch unsere Tochter von der Betreuung abholte, schwebte er schon im Delirium. War kaum ansprechbar und hatte irgendwo wieder ein neues brandloch von seiner Zigarette hin gebrannt.Ich weinte mich nachts in den Schlaf, stand den ganzen Tag unter Strom.

Jeden Tag rief er mich auf meiner Arbeitsstelle an, mit den Worten: "Schatz ich glaube ich sterbe, komm schnell nach hause".

Dann kam ein Tag der alles vorerst verändern sollte.Meine Familie, Tanten und Onkel bekamen von der katastrophalen Situation mitlerweile genug mit. Und heckten einen unbedachten teuflischen Plan aus.

Man lockte mich von zu hause weg, während Andrė und unsere Tochter damals 8 Jahre in der Wohnung auf mich warteten. Als mein Onkel mich ins Gebet nahm, meine Beziehung zu überdenken, suchte meine Tante Andrė in der Wohnung auf. Wenig später kam sie mit breitem grinsen zu meinen Onkel und meinte sie hätte nun mal Dampf raus gelassen bei ihm.

Ich war ausser mir, und lief in Tränen aufgelöst nach ner Nachbarin von mir. Wenig später schellte es dort.

Mein Onkel bat mich um den Schlüssel zu meiner Wohnung, da meine Tochter ihren Papa nicht mehr wach bekam, der lag bewusstlos auf der Toilette.Sie suchte Hilfe und lief zu meinen Onkel die Straße rauf. Selbst beim schreiben, blicke ich auf dieses kleine Mädchen und hätte sie vor einer solchen Erfahrung bewahren wollen. Ich lief auf Socken, schluchzend zu mir nach Haus, meine Beine merkte ich nicht mehr. Ich traf mit dem Notarzt ein, dieser lief vor mir die Treppe hoch. Und da lag er dann, auf den Flur gezogen von den Rettungsdienst und schon grau im Gesicht. Nie hab ich bis dahin heller geschrien, nie hab ich bis dahin lauter geschrien. Ich wurde ins Wohnzimmer geschoben. Sollte mich beruhigen. Er war tot! Ich hörte noch wie man ihn mit Herzmassage und Blasebalg zurück ins Leben holte.

Man nahm ihn mit, die Nacht blieb ich an seinem Bett. Da es kritisch um ihn stand. Man erzählte mir das er sich mitlerweile spritzte mit Morphin, und das es eine Überdosis war. Er überlebte es.

„Übermorgen können Sie ihn nach hause mitnehmen" sagte der Stationsarzt. Und dann - was ist dann? Muss ich dann jeden Tag angst haben ihn leblos in der Wohnung zu finden. Ich telefonierte Nachts mit der Seelsorge, denn genau dafür sind die da.

Die Dame am Telefon empfahl mir vom Arzt eine Bescheinigung zu verlangen welche beinhaltet das er physisch, sowie auch psychisch gesund ist" . Denn nach einen Suizidversuch muss er in eine, dafür spezifischen, Behandlung.

So kam es, dass der Arzt ihn in die Psychiatrie eingewiesen hat. Ich konnte erstmal aufatmen, dort kümmerte man sich 24h um ihn. Ich besuchte in jeden Tag, behandelt wurde nun seine Medikamentenabhängigkeit, nach einem Monat konnte man schon richtige Gespräche mit ihm führen.

Ich gewann erneut Hoffnung auf das Leben was wir einst führten.

Im Anschluss kam er zur Entwöhnung, welche er aber abgebrochen hatte. Als er wieder zu hause war, schien alles wie früher zu sein. Ich hatte einen neuen Job und am Wochenende unternahmen wir gemeinsam als Familie etwas.

Es waren genau drei Wochen, in der uns dieses Glück aus der Vergangenheit besuchte. Dann erneut ein Rückfall bei ihm, ich musste handeln. Hatte gar keine Kraft das alles nochmal durch zu machen. Ich schmiss ihn raus, trennte mich schweren Herzens und hoffte auf Gottes Hilfe für ihn.

Unsere Tochter durfte er jederzeit sehen, in meinem Beisein.

Und auch so nahm er sich nun vor, mir ein Leben zu präsentieren was er im Griff hätte.

"Ich habe mich nicht getrennt, weil ich dich nicht Liebe, sondern ich habe mich getrennt weil ich nicht mehr konnte." sagte ich "Lieben - werde ich dich immer".

Das waren meine letzten Worte an ihn, Stunden später nahm er sich das Leben.Ein Jogger fand ihn kurz darauf, erhängt mit einer Hundeleine am Baum.

In dem Wald wo wir immer spazieren gingen, in unserer glücklichsten Zeit.

Andrė verstarb am 11.07.2004. Er wurde nur 28 Jahre alt.

3.2.16 17:23

Letzte Einträge: Selbstzweifel des Gänseblümchens auf der Lichtung

bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Pascale (4.2.16 17:57)
Bin gespannt auf weitere Facetten von Dir. Viele Grüße


(4.2.16 20:50)
Ich hab einen weiteren Blog verfasst, und hoffe er ist nicht allzu erschreckend für den Leser. Lieben Gruß zurück

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